Was Social Media mit deinem Selbstbild macht
Als ich Teenager war, war ich das Anhängsel einer größeren Freundesgruppe, zu der ich mich aber nie so richtig zugehörig gefühlt habe. Ich wollte unbedingt mit dabei sein, habe versucht mich anzupassen und habe mich auch mit allen ganz gut verstanden. Trotzdem war da immer die Angst, dass die anderen mich nur aus Nettigkeit tolerieren und mich eigentlich gar nicht dabeihaben wollen. Dementsprechend ist der Kontakt zu dieser Mädelsgruppe nach dem Abi schnell im Sand verlaufen. Das Leben meiner ehemaligen Klassenkameradinnen habe ich nur noch per Instagram mitbekommen.
Viele Jahre später – ich hatte inzwischen viele neue Freundschaften geschlossen – sah ich in allen Storys meiner ehemaligen Freundinnen Fotos von einem gemeinsamen Wochenend-Trip nach Hamburg. Alle waren dabei, nur ich nicht. Ich war selbst überrascht, wie weh das tat.
Ich habe keine Ahnung, wie sich das Leben dieser Mädels in den Jahren entwickelt hat. Sind sie glücklich? Ich weiß es nicht, denn ich kenne nur ihre Highlights, nur die Ausschnitte, die sie auf Instagram präsentieren. Und trotzdem hat mich dieser kleine Einblick an einer altbekannten Schwachstelle getroffen, denn plötzlich war die „Ich gehöre nicht dazu“-Unsicherheit wieder da.
Die Vergleichsfalle, in die uns Social Media lockt, trifft uns da am heftigsten, wo unser Selbstbild sowieso schon Risse hat. Die Bilder, die wir dort von anderen sehen sind auf viele Arten geschönt. Die Wenigsten posten die Momente, wenn sie im Schlabber-Hoodie mit einer Fertigpizza auf der Couch sitzen. Wir alle stellen uns dar. Wir picken nur die interessanten Momente heraus, posten nur die Fotos, auf denen wir gut aussehen und gestylt sind oder bearbeiten unsere Fotos. Eine Freundin erzählte mir sogar einmal, dass sie nur noch Selfies mit Snapchat-Filter macht, weil sie sich ansonsten hässlich findet.
Wie schnell vergleichen wir uns da mit einer geschönten Realität und setzten uns selbst unerreichbare Standards. Vielleicht ist es bei dir, wie bei mir, die soziale Unsicherheit. Die Angst, nicht dazuzugehören oder nicht so coole Erlebnisse zu haben, die „fear of missing out“. Vielleicht machst du dir aber auch Gedanken um Pickel, uncoole Outfits oder ein paar Kilos mehr auf den Hüften. Wenn ich meinen stinknormalen Alltag und meinen unperfekten Körper immer nur mit den aufpolierten Momenten der anderen vergleiche, ist es vorprogrammiert, dass ich unzufrieden mit mir bin. Mein Selbstbild gerät ins Wanken.
Ich möchte Social Media hier nicht verteufeln. Es kann auch ein wunderbares Werkzeug sein, das Menschen zusammenbringt. Manche Hobbies und Interessen sind so tief in ihrer Nische, dass es schwer sein kann, im echten Leben Menschen zu finden, die davon genauso begeistert sind wie du. Genieße ruhig die Teile deiner Social Media Erfahrung, die dir Freude bringen und dir guttun. Aber sei dir dabei bewusst, dass nicht alles echt ist, was du siehst. Das gilt sowohl für deine Freunde als auch für anderen Content, den du auf Social Media siehst.
Mein Herz tut besonders weh, wenn ich sehe, wie manche Influencer von den Unsicherheiten ihrer Follower profitieren. Perfekt aufgeräumte, minimalistische Wohnungen, durchgestylte Outfits, perfektes Make-Up und teure Status-Symbole geben den Eindruck, dass diese Dinge ein Ziel sind, auf das wir hinarbeiten sollen. Unterschwellig bekomme ich schnell das Gefühl, dass ich nur etwas wert bin, wenn ich bestimmte Anforderungen erfülle. Manche Influencer vermitteln zum Beispiel, dass man als Mann stark, unemotional, superfit und reich sein muss, um einen Wert zu haben. Viel zu oft wird dabei zuerst eine Unsicherheit erzeugt oder verstärkt und anschließend die Lösung dafür verkauft. „Du bist noch kein muskulöser Alpha-Typ, dem alle Mädels nachlaufen? Dann höre jetzt meinen Podcast und kaufe mein Buch!“ oder „Du hast noch keine perfekt glatte Haut? Dann folge meiner Skin-Care-Routine, Link zu meinen Lieblingsprodukten in der Bio“.
Keines dieser Dinge bestimmt deinen Wert! Du musst dich und deinen Körper nicht erst zu irgendeinem Standard optimieren. Du bist wertvoll, einfach weil du du bist. Gott hat dich mit Liebe gemacht und dir einen Wert mitgegeben, der schon in dir liegt. Diesen Wert kann dir kein Influencer geben oder wegnehmen.
Im echten Leben und auch online bin ich auf der Suche nach authentischen Vorbildern. Es gibt sie! Ich sehne mich nach Content, der aufbaut, anstatt niederzumachen. Auf fast allen Plattformen gibt es die Möglichkeit zu sagen „Dieser Beitrag interessiert mich nicht“. Ich möchte bewusster scrollen und meinen Algorithmus darauf trainieren, mir Dinge zu zeigen, die mir guttun.
Action Steps:
- Welche Unsicherheiten gibt es in deinem Leben? Wo ist dein Selbstbild besonders angreifbar?
- Schau dir eine Zeit lang genau an, welche Botschaften sich in den Videos, Bilder und Beiträgen verstecken, die du siehst. Was für Gefühle lösen sie in dir aus? Wenn du einen negativen Einfluss bemerkst, klicke nicht darauf oder gehe auf „Das möchte ich nicht sehen“. Du musst dir nicht von einem Algorithmus diktieren lassen, wie du dich zu fühlen hast.
- Mache einen Social Media Detox! Nimm dir einen Tag oder ein paar Tage vor, an denen du auf Social Media verzichtest. Was erlebst du dabei?
Text: Sara Harter / Teilnehmerin LT 2016/17









































